Im Herbst erlebten wir eine Lesung mit A. Tuckermann. Sie las sehr einfühlsam, war angenehm in ihrer Art, hat uns begeistert. So entstand auch die Idee mit ihr eine Schreibwerkstatt durchzuführen, denn an unserer Schule gibt es Schüler und Schülerinnen, die gern eigene Texte verfassen.
Verschiedene Schüler und Schülerinenn aus dem 8. Jahrgang arbeiteten mit der Autorin Anja Tuckermann, die viele Bücher geschrieben hat, unter anderem auch „Nirgendwohin Irgendwohin“. Zusammen haben wir über bestimmte Themen geredet, schrieben Texte und hatten ganz viel Spaß gehabt. Am Anfang waren einige nicht so motiviert und hatten erst gar keine Lust gehabt. Doch dann merkten alle, dass es anscheinend doch richtig Spaß macht. Das ganze Projekt ging eine Woche vom 6.-10. Januar. Der Tag begann so, dass wir als allererstes eine kurze Konversation aufschreiben sollten, die wir am Morgen hatten, dann redeten wir darüber, was uns gerade in den Sinn kam und danach schrieben wir unsere Geschichten weiter vom vorigen Tag.
Anja hat uns dazu sehr viele Tipps geben, die uns beim Schreiben halfen. Natürlich zeigte sie uns auch ein paar ihrer veröffentlichten Bücher. Am Ende der Woche stellten wir unsere geschriebenen Texte einer 6. Klasse vor, die unsere Schule besuchte. Wir sind uns sicher, dass ihnen die Geschichten gefallen haben. Es gab viel Beifall. Diese Woche war eine sehr, sehr schöne Erfahrung und es besteht nach meiner Meinung ein Wiederholungsbedarf!
Anja Tuckermann versprach wiederzukommen. Wir freuen uns und bleiben mit ihr bis dahin im eMail-Kontakt.
Laura Tesar, Klasse 8/3
Hier ist meine Geschichte, die während der Schreibwerkstatt entstand und die sich genauso abspielte….
Wisst ihr… ich hatte mal Angst vor der Schule. Angst, dass ich geärgert werde und wieder alleine in der Ecke stehen muss. Früher hatte ich zwei Freundinnen, die mich mochten so wie ich bin, doch dann haben sie sich von mir entfernt. Sie schlossen sich der Mädchenclique an und fingen an, über mich schlimme Sachen zu reden. Über meinen Körperbau, meinen Kleidungsstil und meine Interessen.
Sie haben mich einfach irgendwann aussortiert und fanden mich komisch.
Sie fanden mich zu dick und langweilig.
Ich habe damals angezogen, was ich schön fand, bunte Strümpfe und Jeansröcke. Das fanden sie komisch.
Sie fanden es komisch, dass ich gern lese.
Sie sagten, ich sei verfressen, weil ich von meiner Mama so kleine Joghurts mitbekommen habe und die mochte ich und habe sie zuerst gegessen. Sie sagten, guck mal, wie die isst. Die isst ja wie ein Schwein.
Später wurde es so schlimm, dass mir manche nach Hause gefolgt sind und mich weiter beleidigten. In dieser Zeit ging es mir schlecht. Ich war nur traurig und alleine. Bin niemals rausgegangen zum Spielen und habe nur geweint. Ich durfte nie dazugehören und mich auch nicht mit jemandem freuen.
Einmal habe ich es dem Lehrer gesagt, er sagte nur, das geht schon vorbei. Und er machte nichts.
Aber es ging nicht vorbei. Es war von der 2. bis zur 6. Klasse. Und ich habe nichts mehr gesagt, weil er mir nicht geholfen hat. Meiner Mutter habe ich es auch erst in der 6. Klasse erzählt.
Dann kam noch der Sportunterricht dazu. Wenn ich in einer Mannschaft spielen sollte, wollten sie mich nicht. Sie lachten, wie ich rannte. Das war die Hölle für mich.
Ich wollte ihnen beweisen, dass ich auch hübsch und toll sein kann. In den Sommerferien nahm ich um die 20 Kilo ab, ich fing an mich zu schminken und wurde zu einem anderen Menschen.
So wie ich heute nie wieder sein mag.
Dann mochten mich die meisten und es war nicht mehr so schlimm. Doch ich habe herausgefunden, dass ich gar nicht mehr die Laura war, die früher so nett und lieb war und jedem geholfen hat. Das war in der 6. Klasse. Am Ende des Jahres war es endlich soweit und ich wechselte die Schule. von der Grundschule auf die Oberschule. Ich hatte weiter so Angst geärgert und ausgelacht zu werden. Aber ich lag total falsch! Meine neue Klasse mochte mich und sie sagten sogar, ich sei cool. Sie luden mich öfter zu Geburtstagen ein, unternahmen etwas mit mir und ich selbst wurde mit der Zeit von der Tussi-Laura zur normalen Laura, die gern liest und noch lieber zeichnet.
Heute geht es mir gut und ich rede über meine Probleme, was ich damals nicht tat.
Heute gehe ich gern zur Schule und habe auch viele Freunde.
Erst heute habe ich gemerkt, dass es schlimmes Mobbing war. Ich möchte Menschen helfen, die auch gemobbt werden, weil ich weiß, wie schlimm das ist.
Laura T.